Warum TFP?!

Ich werde oft angesprochen „Wow, deine Fotos sind echt toll, was nimmst du denn dafür“. Oder noch besser ist ein Spruch wie „Was zahlen dir denn die Leute für solche tollen Fotos?“.  Und von der Familie, von Freunden und von bekannten höre ich immer wieder „Mach dich doch selbstständig“. Darum nun hier dieser Blogeintrag und eine Erklärung, warum ich TFP Shoote (mit Übernahme der Fahrtkosten, durch das Model, oder ich werde abgeholt).

Zuerst einmal ein wenig Kontext zu meiner Situation und meinen Lebensumständen. Direkt am Anfang, ich habe Epilepsie, genauer gesagt eine sensorisch triggerbare einfach fokale Epilepsie mit seltener sekundärer Generalisierung. Die Anfalls Häufigkeit wird durch verschiedene Faktoren verstärkt, wie negativer Stress, Schlafentzug, „Sensor Overload“ (zu viel erleben in zu kurzer Zeit)…. Deshalb war irgendwann ein geregeltes Arbeiten für mich nicht mehr möglich und ich bin jetzt Rentner (obwohl ich noch „recht jung“ bin). Die Rente bedeutet, das ich weit weniger Stress und Druck habe und ich jetzt, mit einem „geregelten“ Schlaf-/Wach- Rhythmus relativ gut unter Kontrolle habe. Wenn jedoch der Stress zunimmt, nimmt auch die Anfallshäufigkeit zu und jeder Fotograf kann ein Lied davon singen, das man als Fotograf einem enormen Stress ausgesetzt ist. Man bedenke nur mal die Tatsache, das man z.B. verantwortlich ist, für alle Hochzeitsfotos……

Ich lebe mit meiner Freundin in einem kleinen Dorf (Polch) in der Nähe von Koblenz. Polch hat nur eine sehr schlechte Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Es fährt zwar ab und zu ein Bus, aber nur bis zu einer gewissen Uhrzeit und am Wochenende ist die Verbindung zu Außenwelt noch schlechter. Das nutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln um z.B. zum Bahnhof nach Koblenz zu kommen ist also nur sehr schwer möglich, da zudem die Fahrtzeit ca. eine Stunde beträgt…. Dies bedeutet ich muss immer abgeholt werden oder gefahren werden, da ich selber kein Auto mehr fahren darf.

Nun also ganz gezielt zu der Frage warum TFP Es gibt 2 Wege mich selbstständig zu machen (soviel wie ich mich damit bisher beschäftigt habe). Der eine wäre die 400€ dazuverdienst Grenze von der Rente ausschöpfen und der andere zu versuchen, die Rente komplett rückgängig zu machen und dann Vollzeit Fotograf sein. Fangen wir einfach mal mit den Basics an, WENN ich schon Geld verdienen würde, müsste ich das nehmen, was andere Fotografen auch nehmen oder zumindest etwas in der Preislage. Warum? Ganz einfach, ich könnte hin gehen mit der Einstellung, das ich ja meine Rente habe, und dann immer nur 50€ pro Fotosession nehme. Für diese 50€ liefere ich dann ein Ergebnis ab, was in etwa dem „Standard“ entspricht, was man so bei einem Fotograf bekommt. Dieser muss jedoch weit mehr verlangen, weil er völlig andere Kosten hat. Effektiv könnte ich/würde ich also den anderen Fotografen damit den Lebensunterhalt bzw. einen Teil des Lebensunterhaltes „kaputt machen“, auch wenn es „nur“ 400€ sind. Die ich als Rentner dazu verdienen dürfte. Die Fotografen die weit weniger nehmen für die Fotografie machen es letztlich anderen Fotografen weit schwerer! Gehen wir also von einem Preis für eine Session aus von 200€ was für eine Fotosession nicht unüblich ist (nicht völlig überteuert ist). Ich könnte also genau 2 Sessions im Monat shooten um an die 400€ Grenze zu kommen. Danach dürfte ich keine Sessions mehr machen, da ich nicht hin gehen kann und manchen Personen 200€ berechnenden kann und manchen gar nichts…. Sicherlich gibt es da noch andere rechtliche Dinge zu beachten, das ich noch nen Gewerbeschein brauche und und und, aber diese Dinge lass ich mal außen vor. Selbst wenn es da noch andere Möglichkeiten gibt, dann käme ich vielleicht auf 3 Sessions maximal. Momentan shoote ich eigentlich jedes Wochenende (einen Tag davon für 3-5 Stunden) und habe danach eine Woche Zeit um die Fotos zu bearbeiten. Bedeutet also, das ich schon mal 1-2 Wochenenden nichts machen könnte/dürfte. Zudem sind in den 400 noch keine Dinge eingerechnet wie z.B. mehr Equipment, da ich zumindest einige Dinge doppelt brauche, ich kann nicht auf einer Veranstaltung sagen: „Sry, Objektiv kaputt, ich kann jetzt die Veranstaltung nicht weiter fotografieren“. Wenn mir das gleiche in einer TFP Session passiert improvisiere ich entweder oder breche die Session ab, mit dem Versprechen sie fort zu setzen, wenn die Linse wieder da ist.

Kommen wir zur zweiten Möglichkeit, dem vollen selbstständig machen. (Schwimme oder geh unter) Ich gehe hier noch nicht mal in die vollen rechtlichen Dinge wie die Tatsache, das ich mich anmelden muss, Krankenversicherung selber zahlen muss, mich um meine Rente kümmern muss usw. Ich gehe eher auf die Logistik ein. Wir erinnern uns an die Tatsache, das ich kein Auto fahren darf. Das bedeutet, das ich nicht „mal eben“ zu einer Hochzeit fahren kann oder einen Klienten besuchen um da ein Shooting zu machen…Alles muss geplant werden. Ich habe auch kein eigenes Studio in dem Sinne, ich kann nur mein Wohnzimmer etwas umbauen. was für „einfache“ Dinge reicht, aber für bestimmte Dinge ist es weniger gut geeignet. Wenn ich also nicht gefahren werden kann ist die einzige Möglichkeit ein Taxi zu nehmen was dann die gesamten Kosten „fressen“ würde die ich in der Session an Gewinn habe. Aber gehen wir einfach mal wieder rein von dem aus, was man so braucht. Sicherlich könnten da die wenigen Kontakte die ich an „echten“ Fotografen habe mehr zu sagen, aber letztlich ist es doch so, das Leute sich oft beschweren das ein Fotograf so teuer ist (zumindest ist das meine Erfahrung). Man „kauft“ aber nicht den Fotografen also nicht nur die Person die das Licht aufstellt, der Person die Pose vorgibt und dann auf den Knopf am Auslöser drückt. Das ist nur ein winziger Teil. Es gibt einen großen Teil an Kosten, die man nicht sofort sieht, wie z.B. Emails beantworten, telefonieren, Angebote erstellen, Rechnungen schreiben, die Website updaten, vielleicht noch einen Blog schreiben, Social Media, Werbung, Bildbearbeitung…….. Nur ein kleiner Teil ist wirklich noch das reine Auslösen von der Kamera, aber all diese „versteckten“ Kosten müssen mit berechnet werden in dem Stundenlohn eines Fotografen. Zudem gibt es dann noch weitere Dinge die man mit einberechnen muss, die man auch noch einberechnen muss auf das andere Besispiel oben bzw die zum Teil schon beschrieben sind, wie die Kosten für:

  • Kamera und Equipment updates
  • Computer Updates
  • Studio (wenn eins gebraucht wird)
  • Handy&Internet
  • Werbung und Webhosting
  • Transport (zu den Locations….)
  • Software (Photoshop CC…….)
  • Versicherung

Außerdem muss man auch noch irgendwie seine Miete und Stromrechnung bezahlen und Gas und Wasser und Essen und man will am Ende vom Monat auch nicht mit +/-0€ da stehen sondern auch noch etwas Gewinn machen… Das bedeutet, das 2-3 Fotosessions mit jeweils 200€ im Monat nicht reichen, man muss weit mehr Shootings haben. Ich könnte mir durchaus vorstellen 4-5 (auch mal einen Monat 6) Shootings zu haben, aber das reicht nicht. Bei maximal 5 Shootings im Monat wären das 1000€ pro Monat von denen man dann auch noch die Krankenversicherung selber bezahlen muss usw. Und einen wichtigen Punkt habe ich jetzt noch völlig außen vor gelassen: Nur weil ich mir vorstellen kann 4-5 Shootings im Monat zu haben heißt das nicht, das ich auch genug Personen dafür finde. Es gibt einige Personen, die meine Fotos schön finden, aber es ist fraglich, wer davon bereit wäre dafür 200€ zu bezahlen. Dies alles führt dazu, das ich gesagt habe, das ich nur TFP Shootings mache, obwohl ich sehr hohe Ausgaben für mein Fotoequip habe usw. Letztlich ist es so das einfachste und ich nehme keinem Fotografen Geld weg in dem ich dazu beitrage, das ich die Preise nach unten drücke. Die einzige Möglichkeit für mich wäre eine Festanstellung bei einem Fotograf, bei dem ich die 400€ pro Monat verdiene.

Ciao Björn

PS: Wenn mir jedoch Leute etwas Kaffee schenken wollen für meine Arbeit, so kann ich ihnen einen Link schicken zu einer Seite im Internet, wo sie den Kaffee bestellen können, den ich trinke. Oder wenn jemand meine Arbeit wirklich wertschätzt und mir unbedingt Geld schenken will, kann ich ihm einen Link zu meiner Amazon Wunschliste schicken auf der immer einige Dinge sind, die ich gerne noch für meine Fotografie hätte. Dies ist jedoch freiwillig und wäre in dem Fall eine Schenkung.

Wer nun bis hier hin gelesen hat, dem empfehle ich noch den nachfolgenden Artikel, in dem ich beschreibe, wie eine TFP Session bei mir und mit mir abläuft und was man vorher beachten kann bzw sollte TFP mit mir

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