Fernreisen mit dem Bus

Fernreisen mit dem Bus sind in Deutschland nun zu einer echten Alternative geworden. Also dachte ich mir ich muss das auch einmal ausprobieren. Meine Wahl fiel aus Flixbus, da diese eine Route von Koblenz nach Berlin anboten.

Alles fing an mit der Buchung, die recht komplikationsfrei funktionierte. Die Webseite ist übersichtlich und gut strukturiert. Ich bin schnell an meinem Ziel angelangt und hatte die Tickets im Warenkorb. Bezahloptionen waren zahlreich und auch sinnvoll. Die üblichen Verdächtigen waren da schnell ausgemacht, Paypal, Sofortüberweisung und Kreditkarte, SEPA Buchung und ELV. Ich entschied mich für die Sofortüberweisung was auch tadellos funktionierte. Die Tickets kamen dann als PDF zum Abspeichern und Ausdrucken oder alternativ werden sie in der APP abgelegt die für die drei gängigen Handybetriebssysteme verfügbar ist (Playstore, Amazon Appshop, Apple und auch Microsoft).

Die Kosten waren gering und im Vergleich zu den Tickets bei der Bahn, die als einzige Alternative für diese Strecke in Frage kommt sehr günstig. 22€ Koblenz – Berlin für den Bus und 130€ für die Bahn zum Zeitpunkt der Buchung. Ich liebe es Bahn zu fahren aber auf der Strecke Frankfurt-Berlin und Köln-Berlin bekommt man partout keine tollen Sparangebote.

Der Busstop in Koblenz liegt in der direkten Nähe des Hauptbahnhofs und war somit für mich relativ gut zu erreichen. Die Fahrt sollte 9 Stunden dauern also etwa 3 Stunden länger als mit der Bahn und ich musste um 8 Uhr morgens an der Haltestelle sein. Alles nicht so toll aber bei dem Preis drückt man gerne mal beide Augen zu. Der Bus war allerdings nicht sehr pünktlich und traf schon am Startort mit einer viertel Stunde Verspätung ein obwohl er laut Aussagen von Flixbus sogar eine viertel Stunde vor offizieller Abfahrt hätte bereit stehen sollen.
Die Fahrt begann also erst kurz vor halb 9 und ging über die seltsamste Strecke, die ich mir als Autofahrer vorstellen konnte. Koblenz – Gießen – Marburg – Kassel – Göttingen – Berlin. Das erklärte auch die lange Fahrzeit, zumal in Göttingen eine Pause von einer halben Stunde eingerechnet wurde, auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen zu Lenk- und Ruhezeiten. In Göttingen hatte dann der Busfahrer der aus Berlin kam auch noch eine halbe Stunde Verspätung, was dazu führte das der Fahrertausch der dort vorgenommen wird sich ebenfalls um eine weitere halbe Stunde verzögerte, macht summa summarum eine Stunde Halt in Göttingen. In Berlin sind wir dann etwa eine halbe Stunde zu spät angekommen. Für mich, der nur Urlaub machen will, kein Problem für Menschen mit Terminen unter Umständen schon. Also wer unter Zeitdruck steht sollte nicht Bus fahren.

Der Bus an sich war recht komfortabel mit einer Ausnahme, der Toilette. An jedem Doppelsitzplatz fand sich eine Steckdose, WLan wird über LTE zur Verfügung gestellt. Allerdings lässt die Verbindung keine Webseiten mit Video oder Audiostreaming zu, was auf dem in Deutschland häufig begrenzten Datentraffic liegen mag. Youtube und Co waren von Anbieterseite (Flixbus) gesperrt. Die Steckdosen werden vom Busfahrer aktiviert und wenn dieser vergisst sie einzuschalten funktionieren sie auch nicht. Außerdem haben alle Busfahrer ein unterschiedliches Kälteempfinden, der Kollege auf dem Abschnitt von Göttingen nach Berlin hat die Heizung gar nicht angestellt obwohl wir aktuell Winter haben und es doch recht frisch werden kann. Die Sitze sind bequem und man hat auch reichlich Beinfreiheit aber es ist wie in der Economyclass beim Fliegen, klappt der Vordermann den Stuhl hat man keinen Platz mehr sich zu bewegen. Die Toilette findet sich wie bei den meisten Fernreisebussen im mittleren Abschnitt und ist gelinde gesagt nicht viel größer als ein Schuhkarton. Ich passte mit meiner Statur 1,84 m und breite Schultern mit Ach und Krach in die Kabine, in der ich auch direkt eine interessante Verwendung für Panzertape herausfinden konnte. Sämtliche Seifenspender etc. waren mit Panzertape befestigt. Die Nutzung Selbiger wurde aber eh schwierig, da es kein Wasser zum Hände waschen gab. Ein weiteres Problem, bei dem Aufenthalt in Göttingen war die Nutzung des stillen Örtchens untersagt, da es nur funktioniert wenn der Bus fährt. Eine halbe Stunde mag das funktionieren, aber eine Stunde oder mehr wird schon schwierig vor allem wenn man bewegungseingeschränkte Personen an Bord hat, die nicht mal eben die 300 m zum Bahnhof laufen können.

Zielort war Berlin und ich hatte mich darauf gefreut am Südkreuz auszusteigen, da dieser Halt bei Flixbus angegeben war. Leider hät der Bus in Berlin nur am Zentralen Omnibus Bahnhof, der für einen der in den Osten der Stadt will extrem weit ab vom Schuss ist. Ich brauchte dann noch weitere anderthalb Stunden bis Köpenick, das wäre mir mit der Bahn nicht passiert, diese hält am Hauptbahnhof (sehr zentral) oder am Ostbahnhof (eine gemütliche halbe Stunde nach Köpenick).

Fazit:

+ günstiger Preis
+ recht komfortabel
+ WLan und Steckdosen

– lange Fahrzeit
– fährt nur einmal am Tag früh um 8
– beengte Sanitäreinrichtungen
– Staus auf Autobahnen verlängern den Trip ungemein

Würde ich es noch mal machen, Ja wahrscheinlich aber immer nur allein. Mit meinem Sohn oder Björn würde ich immer auf den Zug ausweichen, auch wenn er etwas teurer ist, da wir dort dennoch sparen können bis 14 Jahre fahren Kinder im Zug für lau mit einem Familienmitglied und Björn hat einen ähnlichen Vorteil. Fährt man mit 2 Erwachsenen die beide einen Führerschein besitzen ist die Nutzung des eigenen Autos angebracht, da man dann generell mobiler ist und individuelle Pausen machen kann.
Generell sind die Fernbusse mittlerweile eine Alternative zur Bahn und Flugzeug. Ob die Alternative immer gut ist, ist von Fall zu Fall abhängig. Beim nächsten mal probiere ich „meinFernbus“, denn sie nehmen auch Fahrräder mit.

Christian