Review Jinbei Freelander FL-II 500 Langzeittest Teil 1

Nach sehr langer Vorüberlegung, genau genommen über 2 Monate, habe ich mich entschlossen, das Review in 2 Teile auf zu teilen.

Teil 1 befasst sich mit dem Gerät an sich. Diesen Teil beabsichtige ich relativ kurz zu halten. Ich habe schon einen weiteren Blogpost zu meinem Blitz geschrieben und dies ist die Ergänzung dazu, nachdem ich das Gerät jetzt über 1,5 Jahre in verschiedenen Situationen nutzen konnte.

Dies ist der allererste Blogeintrag, geschrieben am 13.April 2013. Ich habe ihn extra noch ins Deutsche übersetzt. Den gab es bisher nur auf Englisch.

Da ich gesagt hatte, das ich den Blogeintrag hier kurz halt, möchte ich an dieser Stelle an die Vor- und Nachteile eingehen, die mir im Langzeittest aufgefallen sind.

Vorteile:

  • Meines Wissens gibt es keinen vergleichbaren Blitz, für den Preis! Der Preis vom FL-II 500 mit Standard-Blitzkopf liegt momentan bei 399€!
  • Trotz des geringen Preises ist der Blitz erstaunlich widerstandsfähig. Ich nutze den Blitz regelmäßig outdoor und reise damit, in meinen F-Stop Rucksack. Ich habe bisher weder ein abgebrochenes Teil, noch ist eine Birne kaputt gegangen, noch ein Kabel gebrochen…..Mein erster Eindruck von dem Blitz vor 1,5 Jahren war „Ganz nett, mal sehen, wie viele Monate der hält“. Bisher ist er nicht defekt, obwohl mir die Blitzeinheit mehrfach umgekippt ist. Ich trage mein Equip nicht auf Händen. Das einzige Teil, das einen Wackelkontakt hat, ist scheinbar der Lautsprecher (für das Ready Piep) und das Netzteil war von Anfang an nicht 100% okay. Ich hätte das Netzteil sicherlich getauscht bekommen, da es aber nur die ersten 5 Minuten fiept und ich den Jinbei immer wieder kurzfristig brauche, wollte ich nicht auf das Netzteil verzichten. Das Netzteil habe ich auch erwähnt, in dem ersten Test, vor über 1,5 Jahren.
  • Der FL-II ist relativ kompakt
  • Das Gerät hat Möglichkeit des Supersync bzw Hypersync (Pocketwizard), also die Möglichkeit einer Blitzsynchronisation von bis zu 1/8000sek. Dies ist für einige Anwendungsbereiche genial.
  • Man bekommt durch das Bowens Bajonett sehr viele Lichtformer, die noch dazu nicht sonderlich viel kosten.
  • Die Bedienung ist sehr einfach.
  • Die Akkulaufzeit ist großartig. Ich habe es bisher 1 mal geschafft den Blitz komplett leer zu saugen in einer Fotosession. Dabei habe ich konstant auf höchster Power fotografiert und immer noch zig Fotos gemacht (ca. 250, oder so). Normalerweise arbeite ich auf Stufe 3-4 maximal. Also 1/4-1/2 Power von dem 400 Watt Blitz.

 

Nachteile:

  • Die Blitzabbrennzeit ist LANGSAM! Wäre der Blitz ein wenig langsamer, könnte er als Dauerlicht durchgehen. Dies ist natürlich ein Vorteil, wenn man Supersync  nutzen möchte, aber der langsame Blitz führt leider auch dazu, das die Bilder nicht knack scharf werden. Dies können teurere Blitze besser.
  • Die Lichtfarbe ist nicht konstant. Sie wechselt um einige hundert Kelvin. Das führt dazu, das ihr bei jedem Foto mit dem Weißabgleich schauen müsst. Dies kostet dann wieder Zeit.
  • Die Nachladezeit ist okay, aber nicht super
  • Das Design der Feststellschrauben sollte verbessert werden. Man kann das auf dem Bild unten erkennen. Es gibt ein Loch und eine Schraube, für einen Schirm. Das Loch in dem Blitz ist jedoch sehr klein und da der Schaft von meinem Schirm etwas verbogen ist, passt er nicht mehr in die Halterung und ich muss dafür immer einen Schirmneiger nehmen. Darunter die größere Schraube, ist die Feststellschraube, für den Kopf. Es wäre weit besser, wenn es sich dabei um einen Hebel handeln würde. Wenn es kalt ist und man etwas feuchte Finger hat, ist es sehr schwer, die Schraube zu lösen. Wiederum darunter sieht man das Spigot, welches ich fest an den Blitz gesetzt habe. die Schraube ist ebenfall extrem schwer zu lösen und an zu ziehen. Deshalb habe ich ein Spigot verwendet, mit einer Einkerbung und die Schraube einmal angezogen. Ich lasse das Spigot jetzt auch beim Transport an dem Blitzkopf. Der Adapter ermöglicht es mir dann, den Blitz sehr einfach an meinen C-Stand an zu klemmen.
    DSC_3052
  • Der Blitz hat keine Möglichkeit den Lautsprecher aus zu schalten (also das piepen). Das hat mich schon direkt am Anfang genervt und führt immer wieder dazu, das ich am Abend zu meinem Speedlight greife, wenn ich in der Wohnung noch Sachen shoote. Damit ich nicht mit dem „Piep“ die Freundin wecke. Der Lautsprecher ist irgendwann ausgefallen und hat nicht mehr funktioniert. Ich war schon ganz „happy“. Als ich dann jedoch irgendwann am Abend mein kleines Heimstudio aufgebaut hatte und einige Testbilder gemacht habe, hat der Blitz plötzlich doch wieder angefangen das Piep Signal zu senden. Ihr könnt euch vorstellen, wie ich mich gefühlt habe. 23.30 Uhr Nachts, die Freundin schläft, man hört nur das auslösen meiner Kamera (zwar laut, aber relativ dumpf vom Ton). Plötzlich ertönt, nach einem Foto, mitten in die Stille, das hohle „Piep“ von dem Lautsprecher….
  • Wie ihr auf dem Bild unten seht, liegen die Kontakte von der Batterie komplett offen und man erkennt auch sonst die Verarbeitung. Das Gerät ist „O.K.“ verarbeitet, aber es gibt dort Verbesserungspotential. Wenn die Batterie zum laden aus dem Gerät entfernt wird, liegen also die beiden blanken Kontakte offen. Das Grüne, was man auf dem Foto erkennt, ist die Platine. Diese ist auch ein wenig „offen“. Das Gerät hat also wirklich keinerlei Schutz gegen Feuchtigkeit. Ich hatte damit mal ein Outdoorshooting und es fing von jetzt auf gleich an zu schütten. Ich habe den Blitz gerade noch abgebaut bekommen!!DSC_3051
  • Man kann leider das Kabel am Blitzkopf nicht entfernen, wie bei dem Elinchrome Ranger, und man bekommt keine Schutzkappe für die Blitzröhre mitgeliefert. Die Schutzkappe ist, in der Herstellung, ein Pfennigartikel. Wenn diese mitgeliefert würde, müsste man nicht immer den Reflektor am Blitzkopf haben, der als Schutz für die Blitzröhre dient. Wenn ich den 90er Octa mitnehme, brauche ich den Reflektor nicht und wenn ich die Schutzkappe hätte und man das Kabel entfernen könnte, könnte man wesentlich mehr unter kriegen, im Rucksack. Sollte man einen Kabelbruch haben und man irgendwo unterwegs sein, kann man nicht einfach zu dem Ersatzkabel greifen, sondern man muss den gesamten Blitzkopf austauschen. Der einfache Blitzkopf liegt bei um die 120€. Und wenn ihr einen zweiten Blitzkopf (zur Sicherheit) mitnehmen wollt, braucht ihr sehr viel Platz.
  • Es ist kein optischer Trigger vorhanden. Man muss den Blitz also per Kabel, oder per Funk auslösen. Oder sich einen optischen Trigger kaufen und diesen per Kabel anschließen. Es ist schon vorgekommen, das ich unterwegs war, für eine Woche, und meine Funktrigger ihren Geist aufgegeben haben. Meine D700 hat einen internen Blitz und ich hatte den SB-900 dabei. Ich hätte also, wenn ein optischer Trigger an dem Jinbei Freelander FL-II 500 vorhanden gewesen wäre, den Blitz weiter nutzen können.

 

Ich habe jetzt sehr viel negative Punkte aufgezählt. Man muss sich allerdings immer eins vor Augen halten. Wir reden hier von einem Blitz, der etwa so stark ist wie 4-5 Speedlights. Selbst, wenn wir 5 Blitze für nur 70€ kaufen würden, wären wir bei 350€. Dann bräuchte man noch eine Möglichkeit all diese Blitze in einen Lichtformer zu bündeln (man bekommt sie nicht in die 90er Octabox von Jinbei) und man muss noch die Zusatzkosten für Batterien ein berechnen. Am Ende sind die Kosten weit (!) höher, als die Kosten für den FL-II 500.

Ich kann an dieser Stelle eine Empfehlung geben, für den Blitz, wenn man mit den Limitierungen leben kann und man ein sehr begrenztes Budget hat. Der Blitz ist nicht perfekt und ich habe mehr als einmal geflucht, aber ich habe mit dem Blitz Fotos gemacht, die anders nicht hin bekommen hätte (wenn man nicht gerade Joe McNally heißt und zig Speedlights hat…..)

Es gibt jetzt auch den Jinbei HD-II 600 bei Foto-Morgen. Da ich den Blitz allerdings bisher nicht testen konnte, kann ich dazu nicht viel sagen.

Mehr dazu, wie ich den Jinbei FL-II 500 nutze und für was, gibt es in Teil II.

Ciao Björn