Revidierung meiner Meinung über die D750

Ich war voll bereit, die D750 ab zu tun, als eine schlechte Kamera und genau genommen habe ich es sogar getan. Ich habe einen Blogpost darüber geschrieben, wie schlecht sie auf dem Papier ist.  Diesen findet ihr hier.

Nach allem, was ich über die Kamera gelesen habe, war ich also nicht sonderlich erpicht darauf, sie auf der Photokina testen zu können. Ich habe sie sogar 2 mal getestet (Dienstag und Donnerstag) um mir eine bessere Meinung bilden zu können.

Zuerst einmal, ich besitze die D700 und es ist kein Nachfolger! Aber das bedeutet nicht, das ich nicht begeistert bin von der Kamera.

Die Haptik

Ich hatte mich in meinem ersten Review darüber ausgelassen, das Nikon damit wirbt, die Kamera wäre nun noch kleiner und leichter. Für die Balance ist das definitiv ein Nachteil. Nach 2 Tagen Photokina hatte ich jedoch, mit meinem entzündeten rechten Ellenbogen solche Schmerzen, das ich das Gewicht eher als angenehm empfunden habe, denn als störend. Vor allem gegenüber meiner D700, die ich dabei hatte. 

Beim Blick auf die Frontansicht kann man deutlich das schlankere Design erkennen. Dennoch gibt es eine große Aussparung, am Griff. Dadurch kann man die Kamera sehr gut in der Hand halten.

D750_front

Hier mal zum Vergleich die Frontansicht der D700:

D700_front_rgb

Man erkennt, gerade im Vergleich, das die Griffmulde an der D750 deutlich größer ist. 

Hier seht ihr ein Bild von mir, wie ich die Kamera in der Hand halt. Ich habe etwas längere Finger, als der Durchschnitt.
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Was mir zusätzlich sehr positiv aufgefallen ist, ist die Wertigkeit der Kamera. Gegenüber der D600 ist die Haptik um einiges besser. Das Gefühl in der Hand war einer der Hauptpunkte, die mich bei der D600 gestört haben. Sie hat sich für mich billig an gefühlt.  Letztlich kommt es immer darauf an, das man die Kamera nutzt, mit der man sich wohl fühlt und genau das war bei der D600, bei mir, nicht der Fall.

Eigenschaften

  • Der Sensor der D750 ist okay. Bisher gibt es noch nicht allzu viele Testbilder und da es noch keinen vernünftigen RAW Support gibt, kann man bisher nur mit JPG Fotos arbeiten. Wer mehr über das High ISO Verhalten der D750 erfahren möchte, findet hier einen ganz guten Bericht, von Matt Granger. Bei meinen wenigen JPG Files hat mich die ISO Performance nicht umgehauen, aber sie war okay. Ich komme jedoch bisher nicht an die NEF Files und dementsprechend werde ich mich dazu nicht äußern. Sobald ich die NEF Files bearbeiten kann, werde ich noch das ein oder andere Foto nachreichen.
  • Die 2 SD Slots waren etwas nervig, da ich erst einmal meine SD Karten suchen musste. Ich konnte nicht einfach hin gehen und meine Karte aus der D700 nehmen und in die D750 einlegen, wie ich es bei der D3x,D800….. konnte. Das wäre, wenn meine D700 nur noch ein Backup wäre, ähnlich.
  • Die 1/4000sek Belichtungszeit kann ich nicht einmal schön reden, wenn ich es wollte. Einiges an der Kamera hat mich super überzeugt. Die Belichtungszeit gehört nicht dazu. Da ich die langsame Blitzabbrenndauer von meinem Blitz zum Teil dadurch ausgleiche, das ich Supersync nutze, brauche ich ab und an die 1/8000sek Belichtungszeit.
  • Das gleiche gilt für die X-Sync von 1/200sek. Warum nicht 1/250sek??
  • Was mir definitiv sehr gut gefallen hat, war der Autofokus. Die -3LW beim Sensor in der Mitte, sind schon beeindruckend. Auf der anderen Seite muss man hier auf die deutlich günstigere 7D MKII hindeuten (natürlich eine Cropsensor Kamera), mit 65 Kreuzsensoren, oder der 6d mit 11 Kreuzsensoren, die jedoch etwas sinnvoller angeordnet sind, als bei der D750. Das AF-Modul der D750 soll das der D810 sein und damit soll es außergewöhnlich gut sein. Leider gab es keine Möglichkeit, Action zu shooten um das zu testen.
  • Die Bildrate beträgt „nur “ 6,5 Bilder pro Sekunde. Dies ist meiner Meinung nach ausreichend, auch wenn z.B. die D700 mit Batteriegriff mehr Bilder pro Sekunde aufnehmen konnte. Womit ich eher ein Problem habe, ist der Bildspeicher. Dieser liegt laut diesem Test, genau zwischen der D600 und der D810 und wurde quasi beschränkt damit die Kamera genau ein Mittelding ist….. Wenn man z.B. 14 bit lossless NEF shootet (das Format, was ich normalerweise fotografiere), kommt man auf 15 Bilder, bis der Buffer voll ist. Das ergibt 2.3 Sekunden, bei vollen 6,5 Bildern pro Sekunde. Vergleicht man das mit anderen Kamera sieht man, die D610 schafft 14 Bilder und ebenfalls 2.3 Sekunden. Die D810 schafft 28 und damit 5.6 Sekunden.
    Wenn man jetzt außer Konkurrenz die D700 mit dazu nimmt, schafft diese 20 Bilder und damit 4 Sekunden, oder mit dem Batteriegriff 20 Bilder und ca. 2,5 Sekunden, bis der Buffer voll ist.
    Um es zusammen zu fassen, die D750 ist keine Actionkamera. Bursts sind möglich, alles darüber wird schwierig, wegen dem Buffer. Man wird dort wohl auf die D750s warten müssen. Wenn ihr mehr Speed braucht bzw längere Bursts, müsst ihr entweder zur D810 greifen (für längere Bursts), zu einer D700 (gebraucht), zu einer D3s (gebraucht), oder zu einer D4/D4s. Wir reden hier jedoch über sehr verschiedene Preisklassen.
    Letztlich kann man jedoch auch etwas mehr aus der D750 raus holen, wenn man auf etwas Qualität verzichtet, die man meines erachtens nicht sieht. Wenn man z.B. von 14 bit lossless auf 12 bit lossless geht, bekommt man schon 3,8 Sekunden Bursts hin, bis der Buffer voll ist….
  • Die 91.000 Pixel Belichtungsmessung kann man deutlich spüren. Die Hallen in der Photokina sind sehr ungleichmäßig ausgeleuchtet und ich hatte des öfteren Probleme, das ich gegen korrigieren musste, bei meiner D700 und auch bei gewissen Testkameras, die ich nutzen konnte, wie z.B. der D3x die zum Teil von Herstellern genutzt wurde um ihre Objektive zu zeigen. Die D750 hat jedes Bild korrekt belichtet. Das kann im „Ernstfall“ entscheidend sein.
  • Ein Feature, das ich erst einmal total nutzlos fand und meine genauen Worte waren „eine weitere Bruchstelle“, war das bewegliche und ausfahrbare Display. Das ist es definitiv nicht. Ich würde dieses Swiveldisplay sogar als „Overengineered“ bezeichnen. Es wird wohl eher das Display brechen, oder die Kamera, als die Vorrichtung, um das Display zu neigen. Dies ist eine solide Metallvorrichtung, die keine Arretierung hat, sondern rein dadurch gehalten wird, das sie extrem schwer zu bewegen ist. Die Wahrscheinlichkeit, das sie von alleine heraus fällt, ist relativ gering. Sollte der Monitor allerdings ausgeklappt sein und man fällt, könnte es sein, das der Monitor abbricht (oder das Display zerstört wird, oder die Kamera). Es würde mich mal interessieren, was passiert. Vielleicht könnte das ein D750 Besitzer einmal testen. Also seine Kamera mit ausgefahrenem Display fallen lassen. 🙂
  • Ich habe die Videofunktion ganz kurz getestet. Was ich jedoch vergessen habe, zu testen, war der Rolling Shutter Effekt, da ich normalerweise kein Video shoote.
  • Über das integrierte Wifi kann man sich streiten. Ray Demski hat es in dem Produktvideo genutzt, in dem er die Kamera auf den Boden gelegt hat, auf einen Sandsack und dann die Kamera ausgelöst und bedient hat, über das IPAD. Dies kann man gut erkennen, in diesem Behind the Scenes Video zu dem Trailer der D750 , welcher „Unchained“ heißt.

 

Fassen wir zusammen, die Kamera ist kein Nachfolger der D700 und ich denke, das wir an diesem Punkt sagen können, das es keinen mehr geben wird. Was wirklich schade ist. Dennoch ist die Kamera cool, wenn auch mit Einschränkungen. .

Wenn wir all das zusammen nehmen, war ich lange nicht so enttäuscht von der Kamera, wie ich dachte. Ich muss sogar sagen, das mich die Kamera sehr überzeugt hat. Ich würde sie wirklich gerne mal testen, bei einem Auftrag, wie einem Larp, wo sie an ihre Grenzen gehen muss, mit z.B. High ISO, schwierige Lichtverhältnisse, die Tatsache, das ich schnell wechseln muss zwischen AF Modes…..
Es ist jedoch nicht einfach, Kameras in Deutschland zu leihen, leider.

Ciao Björn