Nooooo! Die Nikon D750 ist raus…..

Dies ist mein erster Eindruck über die Kamera gewesen. Es gibt noch einen zweiten, nachdem ich die Möglichkeit hatte, die Kamera auf der Photokina 2014 zu testen. Diesen findet ihr hier.

Okay, ich frage mich langsam, wer im Entwicklungsteam von Nikon arbeitet. Die Nikon D600 hatte das Potential gut zu werden, aber Nikon hat sie damals bewusst etwas zurück geschraubt, damit sie nicht zu gut wird. Zumindest hatte man das Gefühl.

Dann kam die Nikon Df, die das Potential hatte eine beeindruckende Kamera zu werden. Erfrischend anders, back to the roots…Letztlich war es neue Technik in einem Body der ein wenig nach Retro aussah. Dummerweise haben sie da die Schnittstelle zwischen alt und neu nicht gut hin bekommen, was die Kamera in der Bedienung nicht leicht machen soll.

Dann wurde in den Foren immer wieder die D750 erwähnt. Wer unserem Blog folgt weiß, das ich eine D700 habe. Ich bin auf meine „Lassmiranda“ echt stolz, wie man auch hier lesen kann.

Als bekannt wurde, das es eine D750 geben würde, war ich also mehr als begeistert. Das würde bedeuten, das ich weiß, welche Kamera ich wählen muss, wenn meine mal kaputt ist. Oder wenn ich in einigen Jahren ein Update machen möchte.

Dann wurde sie heute vorgestellt. Ich habe zu der Kamera einen netten Kommentar auf Facebook gelesen, den ich hier einfach mal so weiter geben möchte „Die D750 ist das, was die D600 hätte sein sollen“. Und genau das trifft es auf den Punkt. Die D750 ist laut Nikon Website nicht bei den „Pro“ Kameras angesiedelt, sondern wird von Nikon selber als Consumer Kamera eingestuft.

Dies ist die Frontansicht D750:

D750_front

Frontansicht D700:

D700_front_rgbAnsicht von oben D750:

D750_topAnsicht von oben auf die D700:

D700_top_rgbAnsicht von hinten D750:

D750_backAnsicht von hinten auf die D700:

D700_back_rgb

Gehen wir einfach mal auf die einzelnen Werte ein (einige wichtige) und vergleichen sie ein wenig (ich gehe die Werte durch, wie ich sie auf der Homepage von Nikon finde):

  • Die D750 hat einen 24,9 MP Sensor Vollformat Sensor. Dies ist völlig ausreichend und genau genommen sogar mehr als das. Ich denke, 16 MP tun es auch. Die D700 hat 12 MP, also die Hälfte, was bisher dennoch gereicht hat, gerade in der heutigen Zeit, wo nur noch relativ wenig gedruckt wird.
  • Sie besitzt 2 SD Card Plätze. Die D700 hat nur einen Steckplatz, welcher eine Compactflash (CF) Card schluckt. Das bedeutet, das man Probleme bekommt, wenn man die D700 als Backup hat. Mann muss immer darauf achten, 2 Kartenformate dabei zu haben. Generell sind 2 Slots jedoch sehr nett.
  • Der Viewfinder hat eine 100% Abdeckung. Dort hat die D700 nur eine Abdeckung von 95%. Hier von einer deutlichen Verbesserung zu sprechen wäre etwas hoch gegriffen, aber 100% Abdeckung sind durchaus nett.
  • Die kürzeste Belichtungszeit der D750 beträgt 1/4000sek…..WTF!!! Die D700 schafft hier die wesentlich professionelleren 1/8000sek. Viele argumentieren, das man eine Belichtungszeit über 1/4000sek nicht braucht, es gibt aber durchaus Ausnahmen, wo es nicht nur hilfreich ist, sondern wo ich das Bild ohne die kurze Belichtungszeit nicht hin bekommen hätte.
  • Die Blitzsynchronzeit beträgt 1/200sek…..schon wieder der gleiche Fehler wie bei der D600? Die D700 schafft 1/250sek. Zudem hat die D700 eine externe Syncbuchse um Blitze per Kabel aus zu lösen, wie auch die D800/D800E/D810. Dies besitzt die D750 nicht. Ich musste genau dieses Feature letztens bei 2 Shootings nutzen, da meine Funktrigger kaputt gegangen sind.
  • Die Kamera besitzt den Exped 4 Prozessor, die D700 hat den Expeed 1 Prozessor, was auch immer das in der Praxis heißt.
  • Die Bildrate beträgt 6 Bilder/s, gegenüber den 5Bilder/s bei der D700 (mit Batteriegriff und passender Stromversorgung 8 Bilder/s). Die D700 ist also, mit Batteriegriff und 8 Akkus, oder dem Spezialakku 2 Bilder/s schneller als die D750
  • Die Belichtungsmessung erfolgt bei der D750 mit 91.000Pixel. Hier hat die D750 klar die Nase vorne. Die D700 hat nur 1.005 Pixel. Das muss man der D750 lassen, was die Belichtung in schwierigen Situationen angeht, wird man weniger denken müssen. Das kann in manchen Situationen entscheidend sein!
  • Der Isobereich beträgt ISO 100-12.800 erweiterbar auf 51.200 ISO. Es muss sich zeigen, wie stabil die D750 diese ISO nutzen kann. Die D700 hat einen Isobereich von 200-6400 (erweiterbar auf 25.800). Wobei man sagen muss das ich kein Problem damit habe, Fotos zu schießen bei ISO 3200-6400, wenn es sein muss. In der Erweiterung verliert die Kamera jedoch rapide an Qualität. ISO 8000 ist noch bedingt unter bestimmten Umständen nutzbar. Alles darüber bringt kein Ergebnis, welches man nutzen kann für einen Kunden.
  • Beide Kameras haben einen eingebauten Blitz, was bei Nikon selbst in den Prokameras normal ist, bis auf das größte Modell. Diese Blitze sind in der Lage das Nikon CLS System (Creative Lighting System) zu nutzen.
  • Die D750 hat 51 AF Punkte. Genau wie die D700, was eher in den professionellen Sektor passt, als die 39 von der D600. Jedoch hat die D750 einen besseren Autofokus als die D700. Sie besitzt genau den gleichen AF Sensor wie die D810, welcher fokussiert bis -3 EV! Nice. Ich muss jedoch gestehen, das ich bisher sehr selten Problem hatte, mit meinem Autofokus an der D700. Es war eher so, das meine Objektive zu langsam waren für die D700.
  • Die Kamera wiegt 840g (mit Speicherkarte und Akku). Die D700 wiegt respektable 995g ohne Speicherkarte und Akku. Ein Gewicht von über 1000g (alleine das Kameragehäuse) mag einigen schwer vorkommen. Dies ermöglicht jedoch eine gute Balance mit schweren Objektiven. Zudem wirbt Nikon damit, das die Kamera jetzt kleiner ist….Ich hatte schon das Problem, das mir die D600 zu klein war und zu flimsig. Die Haptik von der D600 war einfach schlecht. Wenn sie jetzt eine Kamera, die sie höher stellen wollen als die D600, raus bringen, die jedoch noch schmaler ist, sollten sie damit definitiv nicht noch werben. Das ist kein Fortschritt, in meinen Augen.

Bis hier waren die Kameras noch zu vergleichen. Ab jetzt kommen einige mehr oder weniger nützliche/sinnvolle Features der D750 die neu sind:

  • Die D750 kann Video aufzeichnen und wenn man sich das Produktvideo ansieht, sieht es so aus, als wenn Nikon die Kamera als eine Art Videokamera vermarkten will. Die Auflösung der Kamera liegt bei 1080p bei 60fps. Die D700 kann keinerlei Video. Ich bekomme ab und zu mal die Frage gestellt „Kannst du auch Videos drehen“. Das muss ich mit „Nein“ beantworten. Und ich habe kein Problem damit, das ich es nicht kann. Um professionell Video zu shooten braucht man mehr als nur die Kamera. Man braucht ein Mikrofon, nen Slider, oder etwas ähnliches, Objektive die für Video ausgelegt sind, also sich gut manuell fokussieren lassen……….(Oder man nutzt die GoPro). Aber es verwundert mich nicht, das die Kamera jetzt Video eingebaut hat.
  • Die Kamera hat ein Display, welches man neigen kann. Dies ist eine weitere Bruchstelle. Das Feature an sich ist nett, aber ich habe so etwas an meiner D700 bisher vielleicht 3 mal vermisst. Dann muss ich mich halt auf den Boden legen, oder tethered shooten. Es gibt einen Grund, warum man dieses Feature weder an der D4, noch der D800/D800E oder der D810 sieht. Das Display kann im harten Einsatz abbrechen. Dies kann einem bei einem Display was nicht aus der Kamera heraus steht, nicht passieren. Zudem könnte es Probleme mit der Verriegelung geben und das Display arritiert nicht mehr richtig……Wie ich schon geschrieben habe, eine weitere Schwachstelle.
  • Integriertes Wifi. Naja, es ist jetzt Standard. Dadurch lassen sich Bilder direkt an ein Tablet übertragen, oder man kann die Kamera per Handy auslösen. Nett, aber mehr auch nicht. Ich nehme es als neues Feature, aber ich kann momentan auch ohne.

Kommen wir jetzt zu einem kleinen Fazit. Die Kamera ist KEINE D7xx. Sondern eine D6xx oder D7xxx. Also sie ist eher der Nachfolger der D610, oder der D7100. Sie ist definitiv nicht der Nachfolger der D700. Dennoch sind die Werte nicht schlecht. Jedoch ist auch der Startpreis nicht günstig. Was Nikon gebaut hat, ist ein Schaf, dem sie  eine Wolfsfellmütze angezogen haben. Es ist die teuerste Consumerkamera von Nikon auf dem Markt. Die Kamera hat einige nette Features, zeigt aber ganz klar, wo sie hin will. Sie hat ein Mode-Rad oben auf der Kamera, statt den Tasten WB,ISO und Qual bei der D700. Diese Modus Wählrad beinhaltet Modi wie „Auto“, Auto mit Blitz aus, einen Effektmodus,Scenemodi…..

Diese Modi beinhaltet z.B. Porträt,Landschaft,Kinder,Sport,Nachtsicht,Kerzenlicht,Blüten,Herbstfarben,Food,Farbzeichnung,Miniatureffekt,Selektive Farbe(!!!!!), Silhouette,High Key……

Zudem gibt es keinen AF-On Button, es ist also kein back button fokus möglich, wenn man zusätzlich den Button für die Belichtungsspeicherung belegen möchte.

Dies beschreibt am besten für wen diese Kamera gedacht ist. Amateure mit viel Geld und Videografen mit zu wenig Geld für die D810.

Ich bin mehr als enttäuscht, kann auch nächste Woche noch weitere Impressionen geben (nach der Photokina), muss aber an dieser Stelle sagen, das Nikon eine Chance hatten das Ruder, gerade bei den Semipros, nochmal richtig rumm zu reißen. Genau diese Leute sind jedoch die, die jetzt gerade auf dem Boden liegen und lachend,weinen und genau dort werde ich mich jetzt dazu legen.

Ciao Björn

PS: Für wen sich nun die Frage stellt, was ich mir gewünscht hätte. Das ist relativ einfach erklärt. Eine D810 mit einer kleineren Sensor und wenn man das Teil wirklich D750 nennen will, mit dem Sensor der D4, wobei ich auch völlig zufrieden wäre, mit dem Sensor, der jetzt verbaut ist.